Smartphones: Wie gefährlich sind sie wirklich?

Familienfreundliche Apps: Mutter zeigt ihren beiden Söhnen Inhalte auf dem Smartphone

Smartphones machen süchtig. Sie lenken Kinder von ihrer Bildung ab und sind Gift für ihre Entwicklung. So zumindest lautete das Statement von Hirnforscher Manfred Spitzer bei der ARD-Sendung „hart aber fair“. Die Basisthematik war das Nutzungsverhalten der Menschen. Auch der Umgang mit Smartphones in den Schulen in Frankreich. Dort wurden sie nämlich längst verboten. Aber sind Smartphones wirklich so gefährlich für uns und unsere Kinder? Oder sind sie sogar eine Chance, unsere Medienkompetenz zu entwickeln?

Alte Diskussion, neues Objekt

Die Debatte an sich ist nicht neu und wird selbst in der ARD-Sendung jährlich neu aufgelegt. Auch wir haben schon über Handysucht berichtet und wie man sie bekämpft. Doch wirklich objektiv sind wir natürlich auch nicht. Selbstverständlich finden wir Smartphones sinnvoll, unterhaltsam und hilfreich. Sie erleichtern einige alltägliche Aufgaben, die in der schnelllebigen Welt kaum noch in den analogen Bereich zurückkehren können. Kurz: Das Smartphone ist ein wichtiger und elementarer Bestandteil unseres Lebens.

Wir sitzen mit unseren Smartphones zusammen und fragen uns noch: "Bin ich handysüchtig?"

Die digitale Gefahr

Auf der anderen Seite lassen sich Begriffe wie Handysucht und Fehlverhalten nicht leugnen, denn sie existieren. Man sieht nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene als sogenannte „Smombies“ durch die Straßen laufen. Nicht selten gefährden sie auch den Straßenverkehr mit ihrer Unachtsamkeit. Wenn schon sehr kleine Kinder täglich über mehrere Stunden am Handy sitzen und keinen Blick mehr in die Natur wagen, können sich sicherlich Entwicklungsstörungen einstellen. Die Augen nehmen langfristigen Schaden, Hyperaktivität stellt sich ein und die Sozialkompetenz leidet ebenfalls unter dem übermäßigen Handykonsum kleiner Kinder.

Smartphones haben ebenso Einfluss auf die Gehirnfunktionen erwachsener Menschen. Schlafstörungen gehören nicht selten zu den Symptomen, wenn sie das Smartphone nicht öfter aus der Hand legen können.

Viele Eltern fragen sich, wann Kinder Smartphones nutzen sollten oder dürfen. Zum Beispiel die beiden kleinen Mädchen, die mit einem iPhone auf der Couch sitzen.

Pauschal böse?

Nun behauptet allerdings Professor Spitzer bei „hart aber fair“, dass der Umgang mit Smartphones schädlicher sei als der regelmäßige Griff zur Zigarette. Und an der Stelle müssen auch wir mit unserer weniger objektiven Ansicht widersprechen. Ist denn das Auto schuld daran, dass sein Fahrer nicht gelernt hat, sich im Straßenverkehr verantwortungsvoll zu verhalten? Ebenso der Umgang mit dem Computer wurde noch vor einigen Jahren kritisch beäugt. Heute sind sie in den Schulen für alle Kinder gefordert. Das Smartphone pauschal zu verteufeln und grundsätzlich zu verbieten, kann aber nicht die Lösung sein.

Pro Smartphone, aber richtig

Auch wir sind für die Förderung von Medienkompetenz, sowohl bei Erwachsenen als auch Kindern. Wir sind schließlich auch für die Verwendung von Smartphones. Wer von vornherein lernt, wie man richtig damit umgeht, wann man das Handy auch mal weglegt oder wie es sich auch für die eigene Bildung einsetzen lässt, kann der Smartphone-Sucht vorbeugen. Eltern und Lehrer sind hier in der Verantwortung, den Kindern einen verantwortungsvollen Umgang näher zu bringen. Wenn aber schon teilweise Erzieher, Eltern und auch Lehrer süchtig nach ihrem Smartphone sind, wie sollen dann die Kinder einem anderen Vorbild nacheifern können?

Diskussion am Kontext vorbei

Wir von handyflash beschäftigen uns tagtäglich mit Smartphones und auch unsere Familien haben sicher einen ganz anderen Kontakt zu den Endgeräten. Bei der Debatte in „hart aber fair“ fällt allerdings auf, dass sich die Gäste nur in dem Rahmen mit Smartphones beschäftigen, wie es sie selbst berührt oder interessiert. Ein resoluter Kritiker, der Smartphones erst ab 18 Jahren erlauben möchte, wird sich nur damit befassen, welche Schäden ein Smartphone anrichtet, ohne auf die Vorteile einzugehen.

Ein Lehrer wird im beruflichen Rahmen nur darauf schauen, wie sich Handys am besten im Unterricht einsetzen lassen. Seine Schüler hingegen bewerten das Handy, abhängig von ihrer Erziehung, auf vielfältige Weise. So vielfältig, dass sie es im Sinne ihrer Sozialkompetenz, Bildung und Gesundheit einzusetzen wissen.

Kinder im Umgang mit Smartphones
So lernen Kids den verantwortungsvollen Umgang mit dem Smartphone (#119614527 | © Syda Productions – Fotolia.com)

Die Diskussion in „hart aber fair“ hingegen war eher einseitig statt vielfältig. Es gab die Befürworter und die Kritiker der Smartphones. Was nicht beachtet wurde, war, dass es keine Diskrepanz zwischen analoger und digitaler Welt geben muss. Die Defizite beider Bereiche müssen nicht gegeneinander ausgespielt werden, sondern können sich bei richtigem Einsatz gegenseitig aufheben. Die auftretenden Symptome, die mit der Verwendung von Smartphones korrelieren, müssen aber nicht ihre Ursache in den Handys finden. Die persönlichen Standpunkte der Gäste wurden zu schnell als Fakten hingestellt, dabei mussten sie sich nicht zwingend gegenseitig ausschließen.

Smartphones: Ein kleines Fazit

Eine Betrachtung der Thematik ohne den „schwarz und weiß“-Charakter wäre wünschenswert, denn das Smartphone ist ein wunderbares Instrument für Jung und Alt, die digitale Welt kennenzulernen. Eine Anleitung, um diese Medienkompetenz kontrolliert zu entwickeln, wäre deutlich sinnvoller, als einfache Verbote auszusprechen.

Davon abgesehen ist auch dieser Artikel deutlich zu kurz, um die ganze Debatte hinreichend bedienen zu können. Wir finden aber, dass das Thema auch für euch interessant ist und sich jeder Nutzer grundlegende Gedanken darum machen sollte, wie er sein Smartphone verwendet und welchen Umgang er seinen Kindern vorleben möchte.

Die ganze Sendung vom 10. September könnt ihr euch übrigens hier in voller Länge ansehen.

Wie bewertet ihr die Debatte? Findet ihr Smartphones grundsätzlich böse oder muss man sich gar keine Gedanken um ihren Gebrauch machen?

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*