Musik-Streaming: Hat die CD ausgedient?

Musik-Streaming vs CD: Was ist beliebter?

Kannst du dich noch daran erinnern, im Kaufhaus in der Musikabteilung eine CD angehört zu haben? Falls ja, hast du den Übergang von Schallplatte zur Compact Disc miterlebt? Du kaufst trotzdem keine CDs mehr, weil du Musik-Streaming nutzt? Du bist nicht allein. Aber hat die CD deshalb ausgedient?

Musik-Streaming vs. CD, so könnte ich diesen Artikel ebenfalls überschreiben. Hand aufs Herz: Wie viele CDs besitzt du noch, wie viele kaufst du noch? Welche Streaming-Apps laufen bei dir am häufigsten? Ich kann diese Fragen für mich beantworten. Doch zuerst möchte ich einen Blick in die Vergangenheit werfen.

Geschenk der Achtziger: Die Compact Disc

Schallplatte, Kassette, CD. Die Compact Disc hat sich hierzulande ab 1984 schneller und schließlich wie ein Lauffeuer verbreitet. Passend dazu ist der Discman erschienen, der den klassischen Walkman zunächst begleitete und schließlich größtenteils ablöste. Mit dem Discman war es möglich, die Lieblings-CD unterwegs zu hören. Dank Anti-Shock-Systemen auch trotz Ruckeln und Wackeln, zum Beispiel im Bus. Die CD ist immer dabei.

CD-Verkäufe nach der Jahrtausendwende

Im Jahr 2001 sind es laut Wikipedia rund 134 Millionen CDs, die in Deutschland verkauft werden – ohne Singles zu berücksichtigen. Gleichzeitig sinkt der Absatz von Schallplatten drastisch. Die CD dominiert den Markt, doch ein Blick auf die letzten Jahre zeigt eine rückläufige Entwicklung. Die zunehmende Digitalisierung, die Verfügbarkeit schneller Internetverbindungen via DSL und LTE und Musik-Streaming haben die Zahlen im Jahr 2014 auf rund 87 Millionen sinken lassen.

Vom MP3-Album zum Musik-Streaming

Das MP3-Format hat sicherlich dazu beigetragen, dass weniger CDs verkauft wurden. Zunächst werden Raubkopien wieder ein Thema. Doch auch ehrliche Käufer greifen vermehrt zur digitalen Variante und laden Alben oder einzelne Lieder als MP3 herunter. Anschließend lassen die Alben sich brennen, zum Beispiel als MP3-CD, auf der gleich mehrere Alben sortiert in Ordnern Platz finden. Das ist zum Beispiel im Auto praktisch, weil ständige CD-Wechsel entfallen. Aber die Entwicklung geht noch weiter.

Von iTunes zu Apple Music und Co.

Mittlerweile müssen viele Musikfans weder CDs auspacken noch MP3-Alben herunterladen. Musik-Streaming ist in aller Munde. Ich denke an die Anfangszeiten von tragbaren MP3-Playern oder Apple iPods zurück. Bei Apple funktioniert die Musik-Synchronisation über iTunes. Einerseits lassen sich damit MP3-Dateien vom Computer in das passende Format umwandeln. Andererseits bietet iTunes den direkten Kauf von Titeln und Alben an. Und wird schließlich durch Apple Music ergänzt, mit dem ich Musik direkt online hören sowie offline verfügbar machen kann.

Mit Spotify, Deezer und Co. unterwegs

Wer kein iPhone hat, greift zu einem anderen Streaming-Dienst. Google Play Music steht direkt für alle Androiden zur Verfügung. Daneben warten Deezer, Spotify und Amazon Music, um nur einige zu nennen. Die Kosten für die meisten Streaming-Dienste belaufen sich auf rund zehn Euro im Monat – ein überschaubarer Betrag, wenn ich bedenke, dass ein CD-Album zum Release oft teurer ist. Der Vorteil von Musik-Streaming liegt auf der Hand: Ich kann überall auf meine Lieblingssongs zugreifen, vor allem unterwegs.

Streaming zu Hause und im Auto

Zu Hause lasse ich meine Spotify-Playlisten über die Anlage laufen. Anlage und Smartphone verbinde ich via Bluetooth. Unterwegs oder im Büro höre ich über mein Headset Musik. Habe ich keine WLAN-Verbindung, lade ich Alben zuvor auf mein Handy, damit sie auch ohne Streaming via LTE verfügbar sind. Das schont das Datenvolumen. Und ist das Auto mit USB ausgestattet oder iPhone-kompatibel, kann ich meine Musik vom Handy einfach beim Fahren hören – und nebenbei bequem den Akku laden.

Im Auto über USB Musik-Streaming nutzen
Die bei Amazon Music und Spotify heruntergeladenen Alben sind via USB auch im Auto verfügbar.

Wird Musik-Streaming die CD ablösen?

Viele Inhalte sind heute digital verfügbar. Neben Musik-Streaming gibt es Netflix, Amazon Video und weitere Dienste, die Filme und Serien anbieten. Games werden einfach über Plattformen wie Steam auf den PC geladen oder im jeweiligen Store für die eigene Konsole gekauft. Musik kann ich online und offline hören, ohne eine CD in die Hand nehmen zu müssen. Aber wird die CD deshalb ganz verschwinden? Ich lasse mich überraschen. Persönlich neige ich eher zum Musik-Streaming. Der rückläufige Trend bei den Absatzzahlen von CD-Alben ist eine deutliche Tendenz. Dass die CD ausstirbt, halte ich vorerst aber für unwahrscheinlich. Kassetten gibt es schließlich auch noch.

Spotify und LP: Meine Musiksammlung

Selten kaufe ich eine CD. Zuletzt habe ich ein Doppel-Album importiert, das einen Bonus-Track enthält. Dieser ist bisher nur auf einer LP-Single erschienen, die obendrein streng limitiert gepresst worden ist. Davor habe ich ein paar CDs gekauft, weil sie für wenige Euro zu haben waren und einen kostenlosen MP3-Download beinhalteten. Und manchmal kaufe ich eine CD auf Konzerten.

Jazz-Album als CD, auf einer Veranstaltung gekauft
Die CD „The Headphone Sessions (live)“ von Filou habe ich bei einem Auftritt im heimischen Jazzclub gekauft.

Seitdem ich mich für die Premium-Version von Spotify entschieden habe, habe ich ansonsten keine CD mehr gekauft. Neben Spotify nutze ich Amazon Music und SoundCloud. Mit Apple Music bin ich nicht zufrieden gewesen, weshalb ich mein Abo nach der kostenlosen Testphase gekündigt habe. Und wenn ich wirklich einmal eine Scheibe höre, dann ist es eine Schallplatte. Dafür habe ich meine wachsende Vinyl-Sammlung. Spannend: Während die CD-Verkäufe abnehmen, ist der Absatz von Schallplatten seit 2012 wieder langsam gestiegen. Es geht eben doch nichts über die gute alte LP, zumal es einige echte Schmuckstücke unter ihnen gibt.

Schallplatten können Streaming ergänzen, zum Beispiel die rote Doppel-LP von Emtombed
Album von 1998 neu aufgelegt: Doppel-LP „Same Difference“ von Entombed aus dem Jahr 2015

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Compact_Disc#Geschichte

2 Kommentare

  1. Die CD wird nicht aussterben. Im Gegenteil. Ich bin echter Musikfan und habe schon Ende der 90er mit Streaming experimentiert (damals Squeeze Box und eigener Server im Keller für Musik). Ich hatte Simfy bevor es Spotify in deutschland überhaupt gab. Ich habe viele CDs verkauft weil ich dachte es ist die Zukunft nur noch zu streamen. Aber irgendwie hat mir plötzlich was gefehlt. Ich hatte keine Cover mehr. Keine Booklets, in denen Zusatzinformationen stehen, die gerade in der Klassik sehr wichtig und interessant sind. Leute die zu Besuch kamen vermissten die CD Sammlung, da sie dort selber gerne vor dem Regal standen und sich die Cover anguckten (eine CD Sammlung ist auch Statement seines eigenen Geschmacks). Man skippt nur noch durch die Tracks und Playlists… oder es dudelt im Hintergrund durch und man befaßt sich nicht mehr mit der Musik. Außerdem war es immer eine kleine Freude bzw. Belohnung sich eine neue CD zu kaufen, sie auszupacken, sie zu hören, ins Regal zu stellen. Naja von Streaming war ich dann irgendwie genervt und habe angefangen Vinyl zu kaufen in der Hoffnung, das wäre dann doch eine gute Alternative. Naja was soll man sagen.. Qualität ist was anderes… es klingt murks. Ich habe alles urchexerziert .. top Pressungen, teure Tonabnehmer, Vorverstärker… Clearaudio Plattenspieler… gewaschene Platten… ich habe tausende Euros ausgegeben für einen Klang, der immer noch zischelt, knackst, kratzt und in den Höhen und Bässen beschnitten ist. Ja das ist so – wenn Platten gepresst werden wird der Frequenzgang schon im Vorfeld beschnitten, weil man alles über 15Khz nicht abbilden kann und alles im Tiefbassbereich die Nadel zu sehr auslenken würde. Das ist die Wahrheit .. Vinyl ist eigentlich ein völlig unzulängliches Medium. Und zur Innenseite der Platte wird es immer schlimmer. Die Umdrehungsgeschwnidigkeit nimmt zur Platteninnenseite hin ab und der Tonarm steht nicht im perfekten Winkel… der Klang ist noch murksiger. Und zum ach so tollen Thema Dynamik…. eine Vinylplatte kann viiiiiel weniger Dynamik abbilden als eine CD. Und gerade im Klassikbereich macht sich das bemerkbar. Ich höre auf Vinyl quasi die Musik in der Dynamik komprimiert (eingeschränkt). Naja also mal wieder eine CD eingelegt und das Aha! Erlebnis könnte nicht größer sein! Wahnsinnsklang. Wie wenn jemand den Schleier vor den Ohren wegzieht. Volle Höhen, volle Bässe… wahnsinn! Und zudem noch ein handliches Booklet in dem man blättern kann.. Und eine Hülle , die nicht verknickt und sich abnutzt, wenn man sie aus dem Regal rauszieht. Und das Ritual des Kaufens und des Sammelns! Und des Auflegens! Und Hörens! Ein handliches , physisches Format in bester unkomprimierter Ton-Qualität mit Booklet zu derzeit unglaublich günstigen Preisen!!!!!! Was will man mehr?? Ich bin mir sicher: die CD wird niemals sterben :-)

  2. Das Streaming ist auf jeden Fall eine große Konkurrenz für klassische Tonträger. Es ist auch sehr verlockend Millionen von Titel in der Hosentasche ständig mit sich herumzutragen.
    Allerdings ist diese Art des Musikhörens meiner Meinung nach nur für die Hintergrundbeschallung relevant. Es geht nichts über eine gute Platte, oder CD, ein Glas Wein und ein gutes Gespräch. Klar lässt sich das mit Streaming auch machen, aber der Akt des „Auflegens“ der Platte und das Abspielen aller Titel ist eine tolle Sache und, wie ich finde, auch eine wunderbare Entschleunigung.

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