Flaggschiffe: Lohnen sich teure Smartphones?

Was dürfen Smartphones kosten?

2015 haben wir uns bereits mit der Frage beschäftigt, was Smartphones kosten dürfen. Drei Jahre später hat sich hier einiges geändert. Heute bezahlt keiner mehr 600 Euro für ein brandneues Flaggschiff der großen Anbieter. Aber brauchen wir die teuren Geräte von Apple oder Samsung überhaupt?

Rapide Preisentwicklung

 In den letzten Jahren hat sich auf dem Mobilfunkmarkt undbei den Smartphone-Herstellern viel getan. Mittlerweile ist unendliches mobiles Datenvolumen ohne Drosselung oder Datenautomatik längst keine Utopie mehr. Und Smartphones liefern inzwischen Leistungen, von denen sich mancher Laptop durchaus was abschneiden kann. Während an unserem i5-Laptop nicht einmal die einfachste Bildbearbeitung funktionieren will, zocken wir mit unserem Handy Fortnite.

In unserem Artikel von 2015 haben wir euch erzählt, dass in Deutschland rund 350 Euro für ein Smartphone ausgegeben werden. In der Zeit vom Galaxy S6 oder dem iPhone 6 waren 600 Euro für ein Flaggschiff noch realistisch. Heute sieht das anders aus: Je weiter die Technik voranschreitet, umso teurer werden Smartphones. Den vierstelligen Bereich hat Apple mit seinem iPhone X bereits Ende 2017 überschritten. Dürfen wir den Analysen, die der Stern zusammen getragen hat, glauben, verkaufen sich die teuersten Geräte von 2018 allerdings schlechter als im Vorjahr.

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Preisverfall als Folge?

Vor allem beim Galaxy S9 können wir dabei zusehen, wie die Preise purzeln. Der Grund ist allerdings keine gewollte Marketingstrategie. Bereits nach zwei Monaten ist der Preis des Geräts um rund 20 Prozent auf unter 700 Euro gesunken, wo es doch mit der UVP von 849 Euro auf den Markt kam. Ein halbes Jahr später findet das Gerät sich sogar für unter 500 Euro. Wir sehen: Mit steigendem Preis wird es auch schwieriger, die Geräte zu vermarkten.

 Dass Huawei mit seinen günstigeren Smartphones aus Chinagenau in diese Kerbe schlug und auf der Überholspur an Apple vorbeiraste, sollte kaum überraschen. Und auch Samsung muss sich inAcht nehmen. Zwar lag beim Galaxy S9 der Preisverfall sicher auch am Gerät selbst und nicht per se an den zu teuren Preisen, trotzdem möchte niemand nahezu 1000 Euro bezahlen, wenn es ähnliche Leistung für kleinere Preise gibt. Und Fakt ist: Es gibt inzwischen sehr gute Smartphones für weniger Geld.

Flaggschiffe als Ersatz für andere Geräte

Was bei den Flaggschiffen vor allem namhafter Anbieter fürden Preis sorgt, ist sicher nicht einzig der Name. Allerdings wird besonderseine Marke wie Apple auch entsprechend verkauft. Und solange Menschen den Preis für ihr Lifestyle-Smartphone zahlen, wird sich das auch nicht ändern. Trotzdem sind hohe Preise für aktuelle Smartphones durchaus gerechtfertigt. In ihnen steckt so viel mehr als ein bisschen Glas, Metall und Plastik.

Zu den hochwertigen Materialien, die dafür sorgen, dass ein Smartphone es nicht nur mit unserem Fernseher und Computer, sondern auch mit Konsolen und Musikplayern aufnehmen kann, kommt der Fakt, dass die Geräte lange zum Alltagsbegleiter geworden sind. Sie bringen viele verschiedene Funktionen mit und lösen dabei andere Geräte ab. Radiowecker und Co. sind längst nur noch zweite Wahl und das Handy ist inzwischen auch zur beliebtesten Konsole geworden. Das heißt im Klartext: Wir haben viele Haushaltsgeräte – wenn man das Handy so nennen möchte – in einem. Immer weniger Menschen haben heute noch Festnetztelefone.

Deshalb sind Smartphones so teuer

Die oben geschilderte Entwicklung und die Tatsache, dass Menschen längst gegen die hohen Preise sensibilisiert sind, treibt selbstverständlich auch die Preise in die Höhe. In unserer Marktwirtschaft gehtes eben genau darum: um Angebot und Nachfrage. Nicht zuletzt ist es so, dass günstige Smartphones heute in etwa das können, was vor ein paar Jahren die High-End-Geräte von sich behaupten konnten.

Dennoch machen wir einige Abstriche, wenn wir uns anstatt eines Flaggschiffes ein preiswertes Smartphone anschaffen. Sie fallen je nach betrachtetem Aspekt lediglich unterschiedlich stark ins Gewicht. Hier ein grober Vergleich:

  • Mit günstigen Handys kannst du zwar bei gutem Licht oft passable Fotos schießen, viele geben aber bei schlechtem Licht oder in der Dämmerung auf. Die Folge: Die Bilder sind verpixelt.
  • Hohe Displayauflösungen und teure OLED-Panels finden sich in der unteren Preisklasse kaum. Das reicht zum Chatten und Surfen aus. Wer aber in guter Qualität zum Beispiel streamen möchte, wird mit einem Einsteigerhandy kaum glücklich werden.

  • Streaming und Gaming verlangt dem Smartphone einiges an Prozessorleistung und Speicher ab: Die schnellsten Chips finden sich in der Oberklasse. Trotzdem können die meisten Spiele auch auf günstigeren Geräten gezockt werden. Probleme gibt es allerdings gegebenenfalls beim Speicher. Games von der SD-Karte zu starten, verlangsamt oft das Handy.

  • Einer der wichtigsten Fakten rund um die Frage, warum ein Flaggschiff sich eher lohnt als ein günstiges Handy: die Update-Politik! Ältere Geräte, aber auch günstigere Modelle, erhalten Updates allenfalls ein paar Monate. Danach soll der Nutzer sich ein neues Gerät zulegen.

  • Was Sicherheitsfeatures angeht, braucht man sich um günstige Smartphones weniger Gedanken zu machen. Touch ID und Co. finden sich auch in der Mittelklasse. Lediglich für Besonderheiten wie Gesichtserkennung oder Irisscanner muss der Kunde tiefer in die Tasche greifen.

Am Rande: Der Grund dafür, dass mancher Hersteller Smartphones mit nahezu denselben Spezifikationen zum günstigeren Preis anbieten kann, hängt nicht zuletzt auch mit den jeweiligen Herstellungskosten und den Kosten für ausgebildete Arbeitskräfte im jeweiligen Land zusammen.

Der Kompromiss: die Mittelklasse

Zum Glück gibt es auch bei Smartphones nicht nur Schwarz oder Weiß. Neben den topaktuellen und modernen Smartphones von über 1000 Eurogibt es auch durchaus eine Mittelklasse, die nicht nur länger geupdatet wird als Einsteigerhandys, sondern meistens auch solide Kameras und eine ordentliche Leistung dabei hat. Häufig haben High-End-Smartphones etliche Gadgets und Funktionen, die wir überhaupt nicht nutzen. Dafür müssen wir kein Vermögen zahlen.

Selbst für Menschen, die Wert auf ein großes Display zum Streamen und Zocken legen, hat die Mittelklasse einiges parat. Da Smartphone-Bildschirme ohnehin immer größer werden, ist es auch kein Problem, auf einem Huawei Mate 20 lite oder einem GalaxyA7 (2018) Serien auf Netflix zu schauen. Selbst Einsteigerhandys kommen imJahr 2018 bisweilen schon auf sechs Zoll. Im Einzelfall lohnt es sich, verschiedene Smartphones gegenüberzustellen und miteinander zu vergleichen. Nicht für jeden ist es sinnvoll, jedes Jahr dem Trend zu folgen und sich das neueste Apple Smartphone anzuschaffen. Vor allem dann nicht, wenn es sowieso nur zum Telefonieren, Chatten und den einen oder anderen Schnappschuss genutzt wird.

Erschwinglicher Gerätepreis durch Vertrag

Es war 2015 so und ist es bis heute: Die wenigsten könnenden Gerätepreis für ein neues Smartphone einfach aus dem Portemonnaie zaubern. Zumindest gilt das dann, wenn es sich nicht um ein preiswertes Einsteigermodell handelt. Aus diesem Grund bieten Provider die Möglichkeit der Finanzierung eines Smartphones über einen Handyvertrag an. In der Regel ist es so, dass ein überschaubarer Betrag zu Beginn gezahlt wird und der Rest sich über die Laufzeit und die Grundgebühr finanziert.

Und da (leider) auch Handyverträge eher teurer als günstiger werden und dementsprechend immer mehr Features im Gepäck haben, ist die Subvention oftmals erschwinglich. Wer sich einen Unlimited Vertrag von Vodafone gönnt, zahlt beispielsweise auch keine hohe Zuzahlung mehr für das iPhone X. Aber natürlich gilt auch hier: Ist eingroßer Vertrag notwendig? Nutzen wir überhaupt so viel Datenvolumen? Und haben wir was von der Hotspot Flat und MagentaEINS der Telekom?

Fazit: Lohnen sich teure Smartphones

Die Antwort ist: Kommt drauf an, wer fragt. Für jemanden, der sein Handy in erster Linie genau dafür nutzt – nämlich, um in Kontakt zubleiben – für den lohnt sich kein GalaxyNote9. Die verschiedenen Optionen sind in diesem Fall schlichtweg verschwendet. Anders sieht es aber bei jemandem aus, der sein Handy laufend in der Hand hat, ein Foto nach dem anderen schießt oder regelmäßig unterwegs anspruchsvolle Games zockt. Wer sich ein Gerät mit großem Display zum Arbeiten wünscht, könnte damit glücklich werden.

Der Ottonormalverbraucher hingegen – so behaupten wir – dürfte mit einer soliden Mittelklasse bestens ausgestattet sein. Und wird den Unterschied kaum merken, weil er bei die Funktionen eines High-End-Flaggschiffs überhaupt nicht zu nutzen weiß. Für diejenigen, die ein Smartphone vorwiegend nach ihrer Kamera auswählen, ist ein Huawei P20 Pro sicherlich eine Investition wert.

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