EU-Reform: Facebook & Co. erst ab 16?

Facebook ab 16? Das könnte sich mit der EU-Reform für soziale Netzwerke ändern.

Das dürfte für viele Jugendliche dem Ende gleichkommen: Laut einer EU-Reform für 2018 sollen WhatsApp, Facebook, Snapchat und andere US-amerikanische Dienste unter 16 Jahren nur noch mit Einverständnis der Eltern benutzt werden können. Doch ist das überhaupt durchsetzbar und sinnvoll?

Die Datenschutzreform für Europa ist bereits auf dem Weg: Am 14. April hat das Europäische Parlament entschieden, dass die alten Datenschutz-Regeln von 1995 (!) abgeschafft werden sollen. Stattdessen soll auf nationaler Ebene die Reform umgesetzt werden, wofür die EU-Mitgliedsstaaten zwei Jahre Zeit haben. Dabei geht es unter anderem um mehr Verbraucherrechte wie die ausdrückliche Zustimmung zur Datennutzung und das Recht auf „Vergessenwerden“. Aber auch das Mindestalter zur Nutzung von sozialen Netzwerken wurde heiß diskutiert.

 „Angemessene Maßnahmen“

Man könnte nun vermuten, dass in guter bürokratischer Manier bereits bis ins kleinste Detail geregelt ist, in welcher Form die Reform umgesetzt werden soll. Doch leider ist dies nirgends erwähnt – lediglich von „angemessenen Maßnahmen“ ist die Rede. Das heißt im Klartext: Es ist jedem EU-Mitgliedsstaat selbst überlassen, welche er einsetzt. Experten gehen zwar davon aus, dass eine EU-einheitliche Regelung gefunden wird, vermutlich werden aber einige Monate der Diskussion ins Land ziehen, bis diesbezüglich ein Konsens erreicht wird.

Sind soziale Netzwerke gefährlich?

Diesen Eindruck könnte man bekommen, wenn man erfährt, dass Facebook, WhatsApp und Co. nach der Reform erst ab 16 Jahren nutzbar sein sollen. Ab 2018 müssen sich jüngere Kinder und Jugendliche dann eine ausdrückliche Einverständniserklärung der Eltern einholen, wenn sie soziale Netzwerke nutzen möchten.

In diesem Punkt kann man der EU-Reform vor allem einen Begriff vorne anstellen: „Gut gemeint“. Natürlich freuen wir uns alle über mehr Datenschutz in der digitalen Welt. Ausgeweitete Verbraucherrechte und  datenschutzfreundliche Voreinstellungen dürften keinem Nutzer sozialer Medien übel aufstoßen. Wenn man sich jedoch die Regelung zum Nutzungs-Mindestalter für soziale Netzwerke anschaut, sieht das Ganze schon anders aus.

Wie könnte die Umsetzung der Altersbeschränkung aussehen? Eine rein formelle Altersabfrage, wie sie bereits heute bei einigen Websites gang und gäbe ist, ist ohnehin undenkbar – vermutlich gäbe es europaweit plötzlich keine Jugendlichen unter 16 mehr. Was benötigt wird, ist also eine offizielle Form der Identitätsprüfung. Die kennt vielleicht schon der eine oder andere vom PostIdent-Verfahren, das man durchlaufen muss, wenn man zum Beispiel ein neues Bankkonto eröffnen möchte. Alternativ könnten sich andere Dienstleister anbieten, die die Altersverifikation übernehmen. Auf ein ähnliches System könnten dann auch WhatsApp oder Social-Media-Dienste zurückgreifen.

Reiz des Verbotenen

Welche Überprüfungsvariante die sozialen Netzwerke ab 2018 auch immer verwenden – ein fader Nachgeschmack bleibt nach der Zustimmung zur EU-Reform.  Denn Facebook und Konsorten gehören mittlerweile zur Alltagsrealität sehr vieler Kinder und Jugendlicher. Ein Gesetz zu verabschieden, das die Nutzung erst ab einem bestimmten Alter erlaubt, geht daran eindeutig vorbei. Wenn wir davon ausgehen, dass sich unser Leben noch weiter in den digitalen Sektor verlagert, werden die Jugendlichen nach der EU-Reform vor allem im Bereich Medienkompetenz über deutliche Nachteile klagen.

Außerdem können wir uns fragen, ob Dienste wie Snapchat durch die Reform indirekt schlechtgemacht werden. Auch wenn es vermutlich nicht die Absicht des EU-Parlamentes ist, werden die Sozialen Netzwerke durch die Altersbegrenzung sicher für viele Heranwachsende noch interessanter – dank des Reiz des Verbotenen, den wahrscheinlich jeder aus seiner eigenen Jugend kennt. Mit Sicherheit werden ab 2018 auf kreative Weise viele Wege gefunden, ein falsches Alter vorzugaukeln. Ein weiterer Problempunkt: Eltern, die vielleicht ohnehin keinen genauen Überblick über die Social-Media-Aktivitäten ihrer Kinder haben und die verschiedenen Dienste als unnötig abtun, fühlen sich durch die EU-Reform in ihrer Annahme bestätigt.

Was meint ihr? Ist die EU-Datenschutzreform im Punkt Altersbegrenzung grundsätzlich sinnvoll und hapert es nur an der Umsetzung? Oder geht die Beschränkung an der heutigen Lebensrealität vorbei?

Quellen:

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