Ein Smartphone zum Fest – Auch für Kinder?

Viele Eltern fragen sich, wann Kinder Smartphones nutzen sollten oder dürfen.

Die Weihnachtsgeschenke für Kinder haben sich in den letzten zwanzig Jahren recht ordentlich gewandelt. Aus Puppen, Autorennbahnen und Lego wurden Gameboy, Konsole und mittlerweile eben auch Tablet oder Smartphone. Wer so manch einem Kind eine große Freude machen möchte, der besorgt heute einfach ein Smartphone oder ein Tablet und schon ist Frieden unterm Weihnachtsbaum. Es sei denn, das Kind beschwert sich darüber, ein Huawei anstelle eines iPhone X bekommen zu haben. Ja, auch das soll es geben.

Die Kinder, die ein solches Gadget geschenkt bekommen, sind heutzutage auch deutlich jünger. Man mag es kaum glauben, aber teilweise präsentieren die Kleinen ihr neues Smartphone oder Tablet schon im Kindergarten. Wir lassen kurz vor Weihnachten ein wenig die Gedanken schweifen und möchten die Thematik ein wenig beleuchten.

Aber die anderen Kinder haben auch eins

Einige Eltern mögen den Gedanken überhaupt nicht, dass ihr Kind mit rund fünf Jahren schon ein Smartphone unter dem Weihnachtsbaum sehen möchte. Sprechen sie ihre Bedenken laut vor ihrem Kind aus, kommt meist der berühmte Satz: „Aber die anderen haben auch eins.“ Natürlich hören Eltern diesen Satz. Sie selbst haben ihn als Kinder dutzende Male gesagt, wenn sie etwas haben wollten. Und so sehr es schmerzt: Wir müssen uns heute eingestehen, dass die übliche Antwort darauf goldrichtig ist. Denn nur weil die anderen Kinder etwas haben, müssen unsere Kinder nicht das gleiche Geschenk bekommen. Schließlich gibt es noch sehr viele andere schöne Geschenkideen für Kinder, mit denen wir ihnen eine Freude machen können.

Oft ist es jedoch der Fall, dass Eltern ihren Kindern zuliebe nachgeben und ein Smartphone kaufen. Denn wir wissen natürlich auch, dass es sich für die Kleinen nicht sonderlich schön anfühlt, etwas nicht haben zu können und sich so unter Umständen ausgeschlossen zu fühlen. Das ist zwar glücklicherweise nicht die Regel, aber kann durchaus vorkommen. Hier hilft es meist, das Gespräch mit den eigenen Kindern zu suchen und ihnen geduldig zu erklären, warum ein Smartphone zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht das richtige Geschenk ist.

Die Kinder müssen ohnehin mit dem Wandel der Technik aufwachsen

Es stimmt, die Unterhaltungselektronik ist so unbeständig wie nie zuvor. Jedes Jahr gibt es neue Smartphones und Tablets, neue Spielzeuge, Konsolen und diverse andere Dinge. Eltern der heutigen Generation haben den Anfang dieses Marktes noch deutlich wahrgenommen, als die ersten Konsolen erschienen und die Weiterentwicklungen immer schneller abliefen. Trotzdem und vielleicht genau deswegen haben sich die meisten von uns noch recht normal entwickeln können. Unsere Kinder jedoch werden von vornherein in eine Welt geboren, die zu großen Teilen gar nicht mehr ohne die ganze Technik auskommt. Der Stellenwert eines Smartphones wird ihnen praktisch in die Wiege gelegt.

Umso mehr sind die Eltern von heute in der Verantwortung, ihren Kindern zu zeigen, dass diese ganzen Geräte erst ab einem bestimmten Alter wichtiger werden und dass sie vor allem kein Spielzeug sind. Der verantwortungsbewusste Umgang mit der modernen Technik kann dem Nachwuchs nur von uns beigebracht werden. Das sollte zum richtigen Zeitpunkt und mit der nötigen Geduld geschehen. Dazu gehört auch, den Kindern zu zeigen, dass andere Dinge einfach wichtiger sind, als pausenlos auf so ein kleines Display zu starren. Das Verhalten der Kinder ist diesbezüglich sicher ein Spiegel des Verhaltens ihrer erwachsenen Vorbilder.

Mein Kind soll mich im Notfall anrufen können

Wie hat die Menschheit es nur geschafft, ohne ein Smartphone zu überleben? Wenn ich mir als Kind unterwegs das Knie aufschlug, habe ich es trotzdem wieder nach Hause geschafft. Wenn die Schule früher aus war, kam entweder ein Anruf vom Sekretariat oder man ging einfach früher nach Hause. Natürlich könnte man nun gewisse Bedenken äußern, dass es für Kinder alleine auf offener Straße heute ein wenig gefährlicher sein könnte als damals, aber ist das wirklich so? Und wenn ja, wäre ein Smartphone wirklich die Lösung für dieses Problem?

Selbstverständlich ist es praktisch, wenn das Kind von unterwegs zu Hause anrufen und sich aus diversen Gründen abholen lassen kann. Aber nur dafür gleich ein Smartphone zu kaufen, kann doch nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Ganz davon abgesehen, dass Kinder gerne mal etwas verlieren oder versehentlich fallen lassen. Hier muss wohl jeder selbst entscheiden, ob ein so kostspieliges Geschenk wirklich sinnvoll ist.

Es gibt doch so schöne Apps für Kinder

Das Angebot an Apps für Kinder ist tatsächlich so umfangreich wie nie. Auf Smartphone und Tablet können Kinder malen, lernen, Puzzles lösen und spannende Dinge ansehen. Nun, unsere Apps waren damals noch Brettspiele, Buntstifte und Spielfiguren, aber das nur am Rande. Die verschiedenen Apps und Spiele für Kinder sind sicherlich sehr schön, aber sie bieten im Grunde nichts, was ein Kind nicht auch auf dem Papier oder Spielbrett bekommen kann. Darüber hinaus wäre eine solche Beschäftigung bestimmt schöner, wenn sich die Eltern dazu setzen und mit dem Kind gemeinsam spielen oder malen. Auf dem Smartphone wäre das schon schwieriger. Im Grunde ist ein Smartphone darauf ausgelegt, dass sich ein Kind nur mit sich selbst beziehungsweise dem Gerät beschäftigt. Da wird es zweifellos Alternativen geben, die deutlich sinnvoller und kindgerechter sind.

Das sagt die Wissenschaft dazu

Gerade erst 2017 wurde in Berlin die sogenannte BLIKK-Studie veröffentlicht, aus der hervorgeht, dass ein übermäßiger Medienkonsum tatsächlich zu motorischer Hyperaktivität, Konzentrationsschwächen und Bindungsstörungen führen kann. Der Studie zufolge sei das Risiko von Konzentrationsstörungen bei 8- bis 13-Jährigen sechs mal höher, wenn sie das Smartphone täglich länger als eine halbe Stunde bedienen. Für die Studie wurden mehr als 5.500 Eltern und Kinder befragt.

Wenn Kinder von zwei bis fünf Jahren das Smartphone täglich länger als eine halbe Stunde nutzen, tritt eine motorische Hyperaktivität bis zu 3,5 mal häufiger als bei anderen Kindern auf. Doch auch wenn die Mutter während des Stillens das Smartphone nutzt, kann es zu Problemen kommen. Das Kind könnte nicht richtig trinken und würde unter anderem eine Bindungsstörung entwickeln. Dies ist nur ein kleiner Auszug aus den Ergebnissen der Studie, die man bei seinen Überlegungen zumindest ein wenig beherzigen sollte. Kreativität und Bewegung an der frischen Luft sind deutlich wichtiger als ein Smartphone.

Das Smartphone hat gerade im Berufsleben der Erwachsenen einen hohen Stellenwert und er wird für unsere Kinder in Zukunft nicht geringer. Doch gerade deshalb sollten wir frühzeitig darauf achten, dass der kindliche Umgang mit Smartphones in einem kontrollierten Rahmen stattfindet.

Das komplette Ergebnis der Studie könnt ihr hier nachlesen:
http://www.drogenbeauftragte.de/presse/pressekontakt-und-mitteilungen/2017/2017-2-quartal/ergebnisse-der-blikk-studie-2017-vorgestellt.html

Unser Tipp: Feste Regeln einführen

Es gibt einige Argumente, die dafür und dagegen sprechen, einem Kind ein Smartphone zu Weihnachten zu schenken. Wenn ihr euch aber dazu entschließt, eurem Kind ein Handy schenken, dann braucht es gerade zu Beginn eindeutige Regeln. Feste Nutzungszeiten zu Hause sind immer sinnvoll, damit der Nachwuchs nicht permanent vor dem Display sitzt und den Blick für alles andere verliert. Im Google Play Store lässt sich eine Kindersicherung einbauen, ebenso wie im Browser. So könnt ihr sicherstellen, dass euer Kind nicht versehentlich oder absichtlich unerlaubte Inhalte aufruft. Der verantwortungsvolle Umgang mit dem Smartphone sollte von Anfang an gefestigt werden, dann gibt es auch im Nachhinein keine Probleme.

Ein persönliches Fazit

Wenn ich meine persönliche Meinung niederschreiben soll, ist das ein wenig schwierig, denn ich habe noch keine eigenen Kinder. Allerdings liegen einige Fakten auf dem Tisch, die ich interpretieren kann. Aus meiner eigenen Kindheit kenne ich es, neue Entwicklungen als spannend anzusehen und unbedingt haben zu wollen. Allerdings war die Auswahl Anfang der Neunziger Jahre noch wesentlich überschaubarer, sodass es für echte Aktivitäten an der frischen Luft nur wenige Alternativen gab. Heute ist das ein wenig anders. Die Auswahl ist umfangreicher, die Technik um einiges komplexer. Trotzdem bin ich der Ansicht, dass Bewegung und echte Sozialkontakte heute noch ebenso wichtig sind wie vor 25 Jahren. Motorische und sensorische Fähigkeiten lassen sich nur schwer am Smartphone entwickeln.

Selbst wenn man die medizinischen und pädagogischen Studien mal beiseite lässt, liegt es auf der Hand, dass kein Kind wirklich ein Smartphone braucht. Persönliche Kontakte, kreative Momente und auch Langeweile sind gut für die Entwicklung eines Kindes und sollten nicht durch die Dauerbestrahlung eines Displays ersetzt werden. Wenn ihr euren Kindern ein Smartphone zu Weihnachten schenkt, dann beschränkt die Nutzungsdauer pro Tag und sorgt für einen angemessenen Ausgleich.

Denn das schönste, was ihr euren Kindern schenken könnt, ist eure Zeit. Sie bleiben nicht ewig so klein.

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