Netzneutralität: Telekom und Vodafone im Visier der BnetzA

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Nach Telekommunikationsgesetz sorgt die sogenannte Netzneutralität für einen geregelten und gleichberechtigten Verkehr von Daten im Netz. Es funktioniert über die Zuordnung von Prioritäten beim Datentransport. Laut der Bundesnetzagentur verletzt Telekoms StreamOn jedoch diese Neutralität – mit Folgen.

Was bedeutet Netzneutralität?

Vereinfacht gesagt, sorgt die Netzneutralität für eine gleichberechtige Behandlung bei der Datenübertragung im Internet. Sender und Empfänger sowie Paketinhalt und Anwendung, die selbigen generiert hat, sind demnach in der Theorie diskriminierungsfrei zu behandeln. Betrachten wir den Begriff weniger streng, meint Netzneutralität die Gleichbehandlung gleicher Dienste. Dadurch entstehen Kategorien, denen verschiedene Datenraten zugeteilt werden. Dieses Konzept sorgt dafür, dass Videoanrufen beispielsweise eine höhere Priorität zugeteilt wird als beispielsweise Uploads. Innerhalb jener Kategorien (z.B. Streaming, Up- und Downloads, Videotelefonie etc.) ist die Neutralität Pflicht. So die Theorie.

Das Problem des Zero Rating

Der Begriff Zero Rating bezeichnet eine Praxis, bei der Datenübertragungen das Datenvolumen eines Mobilfunkvertrages nicht belasten. Das bedeutet, dass beispielsweise für die Nutzung einer mobilen App kein Datenvolumen verbraucht wird. Für den Nutzer erschient dies besonders praktisch: Sein integriertes Datenvolumen hält bei der Verwendung seiner Lieblingsapps länger durch und es wird insgesamt weniger Surfvolumen benötigt. Das Konzept kommt dir bekannt vor? Kein Wunder, denn genau das beschreibt die Funktionsweise von Telekoms StreamOn und Vodafones Pässen. Der Knackpunkt: Kritiker sehen in in solchen Diensten die Umgehung der Netzneutralität. Sie greifen die Gleichberechtigung innerhalb der Datenautobahn an. Es entsteht, wie die Webseite smartchecker es so treffend formuliert hat, ein „Zwei-Klassen-System innerhalb des Datenverkehrs“. Während gewisse Apps bevorzugt behandelt werden, sind andere weiterhin kostenpflichtig – ein Problem für den Anbieter des benachteiligten Webdienstes.

Beschneidung von StreamOn

Bereits Anfang Oktober berichtete die Zeit davon, dass die Bundesnetzagentur einigen Details von Telekoms StreamOn den Riegel vorgeschoben habe. So könne es nicht sein, dass die Übertragungsrate beim Streamen von Videos auf DVD-Qualität gedrosselt würde, aber nicht beim Audio-Streaming. Der Grund: Der Anbieter müsse Audio- und Videodienste gleichbehandeln. Zusätzlich wurde die Praxis bemängelt, nach der StreamOn im EU-Ausland beschnitten wurde.

Nach Beschlüssen der Netzagentur soll die Telekom bis März die Drosselung von Videoinhalten aufheben und StreamOn europaweit zur Verfügung stellen. Dies betrifft die MagentaMobil-Verträge der Anbieters. Künftig soll damit die Nutzung der gewählten Dienste auch im EU-Ausland vom inkludierten Datenvolumen unabhängig möglich sein. Der Beschluss: Die Regelung widerspricht dem Roam-Like-at-Home-Prinzip. Zudem ist eine Drosselung der Videodienste im Inland objektiv und aus technischer Sicht nicht nötig.

Telekom weigert sich und mobilisiert Kunden

In einem Blogbeitrag hat sich die Telekom jetzt gegen die Beschlüsse zu Wort gemeldet. Sie hat nicht vor, die Beschneidung von StreamOn einfach hinzunehmen. Für den Anbieter sei die „Behördenentscheidung […] absolut nicht nachvollziehbar“, wie Andreas Middel berichtet. Die Entscheidungen würden, so der Sprecher, dazu führen, dass StreamOn künftig nicht mehr kostenfrei angeboten werden könne. Damit appelliert der Mobilfunkriese an die Unterstützung seiner Kunden und bekräftigt, das Thema rechtlich prüfen zu lassen. Zudem betont Middel, dass bisher keinerlei Beschwerden von StreamOn-Partnern oder -kunden lautgeworden seien und die Telekom nicht plane, den Forderungen nachzukommen. Der Wortlaut:

„Mit dem Beschreiten des Rechtswegs werden wir dafür kämpfen, dass unsere Kunden StreamOn weiterhin – auch während der rechtlichen Klärung – nutzen können.“

Offener Schritt gegen Netzneutralität in Amerika

Am 14. Dezember hatte die US-Telekommunikationsaufsicht FCC die Regelung beschnitten, die für eine Gleichberechtigung von Daten im Netz sorgt. Kritikern stößt dieser offene Schritt gegen die Netzneutralität sauer auf. Wenn Anbieter künftig selbst entscheiden können, welchen Datenverkehr sie wie und mit welchen Geschwindigkeiten zulassen, kann es sein, dass Webdienste bald für eine bevorzugte Behandlung zahlen müssen. Netflix, Google und Amazon dürfen demnach mit Pech mehr zahlen, um ihren Vorrang im Netz halten zu können. Für kleinere Dienste ist dies finanziell nicht tragbar und sie dürften Schwierigkeiten bekommen, sich auf dem Markt zu halten. Besonders Start-Ups würden damit benachteiligt und hätten kaum mehr die Möglichkeit, neben den Megakonzernen Fuß zu fassen.

Vodafone ebenfalls in Kritik

Wie bereits erwähnt, hat die Bundesnetzagentur nun auch Vodafones Pässe im Visier. Inwiefern selbige die Netzneutralität verletzen, überprüft die Bundesnetzagentur zurzeit. Das Problem ist unter anderem der Fakt, dass die Freiheit des Verbrauchers bei der Wahl seiner Tarife eingeschränkt werde. Zusätzlich ist die Bevorzugung von Partnerdiensten von Seiten Vodafones ein Dorn im Auge der Agentur; ebenso wie der Fakt, dass einige Optionen nur in teureren Verträgen des Anbieters hinzubuchbar sind. Abgesehen davon gibt es selbst in den Apps, die vermeintlich kostenfrei sein sollen, Funktionen, für die der Nutzer mit Inklusiv-Volumen zahlt. Inwieweit auch der Mobilfunkanbieter und seine Kunden künftig mit Einschränkungen rechnen müssen, wird sich zeigen.

Zusammenfassend geht es bei dem derzeitigen Einsatz für die Netzneutralität vorwiegend darum, dafür zu sorgen, dass gewisse Dienste derer, die beispielsweise mehr zahlen können, von Mobilfunkanbietern nicht priorisiert behandelt werden.

Quellen:

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