SMS: Heute rede ich mehr als 160 Zeichen.

6 Dinge, die WhatsApp und Co. nicht können

Totgeglaubt? Falsch gedacht! Zwar sinkt die Anzahl der verschickten SMS seit 2012 wieder, aber es gibt sie noch. Nach und nach wird die herkömmliche SMS von Instantmessengern und Kurzmitteilungsdiensten in den Hintergrund gedrängt. Das finden wir schade und deshalb wird euch die SMS heute selbst sagen, was sie WhatsApp und Co. voraus hat.

„Hallo, ihr Nutzer. Ich bin die SMS, kennt ihr mich noch? Wenn ihr Kinder der 90er-Jahre seid, wart ihr einst sehr mit mir vertraut. Immerhin habt ihr über mich Nachrichten verschicken können, die ihr euch nie zu sagen getraut hättet. Bis 2012 war die Bilanz steigend. Während ich 2000 noch rund 34 Millionen Mal am Tag verschickt wurde, waren es vor vier Jahren – sage und schreibe – fast 163 Millionen Mal. Stellt euch das nur mal vor! Wie viele Zeichen das sind!

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Aber dann. Dann wurde ich verdrängt. Weil ich nicht mehr gut genug war, nicht genug Raum für unnötiges Gefasel bot und weil ich ein paar Cent kostete. Ich finde das traurig und weißt du wieso? Weil dir ein süßes ‚hdgdl‘ oder ‚ild‘ nicht einmal mehr 0,19 Cent wert ist. Früher, da war alles besser. Da wusstest du noch, was du schreibst, immerhin hast du dafür gezahlt. Heute, im Zeitalter von WhatsApp und Co. laberst du nur noch vor dich hin. Und wenn dir das, was du schreiben willst, zu viel Aufwand bereitet, versendest du eine Sprachnachricht. Damals störte dich die Einschränkung von 160 Zeichen – heute schickst du bei mehr als 100 eine Sprachnachricht. Und genau deshalb drehe ich den Spieß jetzt um und halte dir vor Augen, warum ich besser bin als WhatsApp und dieser neumodische Kram.“

1. Zuletzt online am…

„Du warst zuletzt online vor 35 Sekunden, hast die Chats durchgescrollt und deiner Flamme nicht geantwortet. Wie kannst du nur! Und glaub mir, das wird Ärger geben. Wieder. Kennst du, oder? Tja, und da hast du den ersten Grund, warum du mich, die SMS, besser öfter nutzen solltest. Am Tag werden inzwischen sicher über 700 Millionen WhatsApp-Nachrichten versendet, aber unter 50 Millionen von mir. Denk mal darüber nach, wie oft irgendjemand zu dir kam und dich fragte: ‚Warum antwortest du mir nicht?‘ Und wenn du dann behauptest, du hattest keine Zeit, geht das Theater los, denn: ‚Du warst aber online!‘

Früher. Früher hat dir noch jeder geglaubt, dass du nicht auf dein Handy geschaut hast. Heute aber bist du handysüchtig. Ich bitte dich: Du kannst niemandem erzählen, dass du eine Nachricht mehrere Stunden übersehen hast. Klar, das würde natürlich auch gelten, wenn du SMS empfangen würdest. Aber die Leiche im Keller kann dir bei mir wenigstens niemand nachweisen. Mich kannst du versenden, an wen du willst – ohne, dass deine restlichen Kontakte sehen müssen, dass es jemanden gibt, der wichtiger ist. Noch nicht überzeugt? Dann kommen wir mal zu Punkt 2.

2. Das Grauen: der Gelesen-Status

„Wir SMS sind häufig wichtig. Deshalb kann auch bei uns eine Übermittlungsbestätigung angefordert werden – ganz abgesehen davon, dass die allermeisten von uns ohnehin ihr Ziel erreichen. Aber was ist eine Lesebestätigung? Und wofür braucht man die? Ich finde, sie ist nicht mehr als ein Kontrollinstrument. Zumindest in den meisten Fällen. Und vor zehn Jahren ging es ohne auch noch ganz gut. WhatsApp hingegen ermöglicht es dir, nicht nur zu sehen, ob deine Nachricht rausging und ankam, sondern auch, ob sie gelesen wurde. Hand aufs Herz: Jetzt fehlt nur noch die ‚Die-Nachricht-wurde-gelesen-aber-du-nervst‘-Funktion. Ich glaube ja nicht, dass das irgendwen glücklich macht und – the same procedure as last time – es gibt wieder böses Blut. Mit mir wäre dir das nicht passiert.

Du wirst nun vielleicht sagen: ‚Ha! Ich kann bei WhatsApp sowohl die Lesebestätigung als auch die Anzeige des Onlinestatus verbergen.‘ Aber wir wissen doch beide, dass das zum Einen bei deinen Freunden nicht gut ankommt und es dir zum Anderen nicht passt, dass du selbige dann auch nicht mehr erhältst.“

3. Aufgebrauchtes Datenvolumen und keine Internetverbindung

„Das Internet hat die Welt übernommen. Du kannst unterwegs surfen, chatten, gamen und streamen was das Zeug hält und das ist auch okay. Aber was machst du, wenn du mal kein Internet hast? Die Verbindung ist nicht sicher, kein Garant und launisch. Ich war noch nie sonderlich gut auf sie zu sprechen, denn sie ist wirklich unzuverlässig. Und was machst du nun, wo du doch dringend Nachrichten an jemanden versenden musst, die nicht warten können? Richtig! Du rufst an oder schreibst eine SMS. Hallo, hier bin ich! Und da bin ich auf einmal wieder wichtig – denn ich bin zuverlässiger als WhatsApp, der Facebook-Messenger und Twitter. Ganz abgesehen davon hat bestimmt nicht jeder, den du kennst, mobiles Internet. Und jetzt?“

4. Ohne Smartphone in Kontakt bleiben

„Schwer vorstellbar, aber es gibt noch Leute, die kein Smartphone haben. Diese Menschen fühlen sich benachteiligt – und das seit etlichen Jahren. Denn du schreibst ihnen nicht mehr. Ich will dir ja kein schlechtes Gewissen machen, aber wir wissen beide, dass sie das schade finden. Verschick mich doch mal wieder! Das tut nicht weh und je nach Vertrag koste ich sogar nichts mehr. Und vielleicht schaffen wir es ja zusammen, dass ich wieder in Konkurrenz komme. Was meinst du?

Möglicherweise wirst du jetzt denken: ‚Pah! Alle meine Freunde haben ein Smartphone und mobiles Internet.‘ Warten wir zusammen auf den Moment, in dem dein Smartphone die letzte WhatsApp-Nachricht verschickt und du schweren Herzens vorerst dein altes Handy rauskramen musst. Ohne mobiles Internet, ohne WhatsApp. Und dann, dann bin ich wieder dein bester Freund.“

5. Bedachtes Schreiben

„Ich habe es eben schon angeschnitten: Mein Nachteil ist mein geringes Fassungsvermögen. Denn in 160 Zeichen musst du anderen mitteilen, was dir auf der Seele brennt. Und nun suche dir den Chatverlauf aus einem Instantmessenger raus und frage dich beim Durchscrollen: ‚Welche meiner Nachrichten hatte mehr als 160 Zeichen?‘ Ein Großteil wird weit darunter liegen. Und einen lachender Smiley, ein LOL oder ein bloßes ‚Wann kommst du?‘ kann auch ich fassen. Früher hast du noch überlegt, was du schreibst – denn du hattest nur 160 Zeichen. Du warst bedachter. Heute spielt all das keine Rolle mehr. Und trotzdem nutzt du noch Abkürzungen wie ‚cya‘ oder ‚bg‘. Warum eigentlich, wo dir doch die volle Nutzungsbandbreite zur Verfügung steht? Ich will dir sagen warum: Vielleicht kannst du ja doch einfach nicht aus deiner Haut und vermisst mich. Ein klein wenig zumindest. P.s.: Mit einer SMS-Flatrate spielen auch die Zeichen keine Rolle mehr, denn du kannst so viele SMS versenden, wie du möchtest. Und die sind gar nicht so selten – schau doch mal nach und erwecke mich zum neuen Leben.“

6. Nostalgiefaktor

„Viel kann ich dir nicht mehr sagen. Inzwischen bin ich wohl auch nicht mehr sicherer als viele andere Messenger. Aber eins habe ich allen voraus: die Nostalgie. Wir haben viel zusammen erlebt und ich fände es schade, wenn du meine Art endgültig aussterben lassen würdest. Deshalb finde ich, dass du ruhig ein wenig Hipster sein kannst. Immerhin werden nicht umsonst SMS-Flats angeboten. Nutz mich doch mal wieder und freu dich darüber, dass dich niemand wegen deines Onlinestatus nervt!“

Quelle: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/3624/umfrage/entwicklung-der-anzahl-gesendeter-sms–mms-nachrichten-seit-1999/

 

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