Spezielle Gehwege für Handynutzer sollen Kollisionen verhindern

Kurios! Nachdem 2014 im chinesischen Chongqing erstmals ein Gehweg für Handyverrückte eröffnet wurde, hat letztes Jahr auch Belgien nachgelegt. Was es mit der skurrilen Idee auf sich hat, erfahrt ihr hier.

China legt vor: Wege für Handy-Gucker

Seit dem 12. September 2014 gibt es in der chinesischen Millionenstadt Chongqing einen ausschließlich für Handynutzer eröffneten Gehweg. Das heißt allerdings nicht, dass jeder, der ein Handy hat, diesen Weg benutzen soll. Genau genommen wurde er einzig für die Personen geschaffen, die sich auch während ihrer Tour durch die Stadt nicht vom Display lösen können. Der Weg ist 50 Meter lang und mit gesonderten Markierungen versehen. Das Ganze erinnert an typische Fuß- oder Fahrradwege. Der Boden ist mit Markierungen versehen, die die Laufrichtung bestimmen. Die Pfeile können auch von Personen gesehen werden, die ständig den Blick gesenkt halten, um auf ihr Handy zu starren – so der Plan.

Antwerpen richtet sich nach chinesischem Vorbild

„Antwerpen hat für Handy-Süchtige eine eigene Spur geschaffen“, wie BizTravel im Juni 2015 schreibt. Die Webseite bezeichnet Personen, die während des Laufens auf ihr Handy starren als „Textwalker“. Schon im Kinderbuch Die Struwwelliese haben wir gelernt: „Auf der Straße noch zu lesen, ist noch niemals gut gewesen.“ Was damals noch für Bücher galt, ist bei vielen Nutzern von Handys inzwischen leider der Standard. In Antwerpen steht zwischen den weißen Markierungslinien der Ausdruck „Text walking lane“. Auf den ersten Blick sieht die Abgrenzung nach einem Radweg aus. Das Ziel dieses Weges ist es, nicht nur die Handy-Gucker zu schützen, sondern auch andere Fußgänger. Zuvor hatte auch Washington D.C. sich an der Initiative beteiligt. In Antwerpen stößt die Idee allerdings auf Widerstände. Für die Behörden ist das Ganze blanker Hohn. Vertreter bezeichnen die Straßenbemalung als Graffiti.

Zahl der Handynutzer auf den Straßen steigt

In der Zeit von Smartphone und Internet steigt die Anzahl der Handynutzer rapide an. Parallel dazu steigt die Menge derer, die auch während Städtetouren auf ihr Handy schauen. Sie schreiben mal eben eine SMS, checken Facebook, Twitter oder Whatsapp. Für uns ist das zum Alltag geworden. Das Problem ist, dass wir dadurch weniger achtsam sind und nicht im nötigen Maß auf den Straßenverkehr achten.

Mancher wird nun sagen: In der Fußgängerzone gibt es keine Autos! Zumindest in der Regel nicht. Und das ist auch richtig. Allerdings können wir nicht nur mit Fahrzeugen kollidieren, sondern auch mit anderen Personen, Schildern, Mülleimern oder Straßenlaternen. Was sich im ersten Moment lustig anhört, kann leider wirklich gefährlich sein. Studien an der Universität von Birmingham ergaben, dass ein Schüler, der auf sein Handy schaut, im Schnitt 20 Prozent länger braucht, um eine Straße zu überqueren. In Washington ergaben ähnliche Studien, dass 15 Prozent der Seattler an Straßenkreuzungen auf ihr Handy fixiert waren, statt sich auf die Straße zu konzentrieren.

Traurige Realität oder Marketing-Gag?

Der Spiegel schreibt, dass es sich bei dem erstmals in China eröffneten Gehweg um einen Werbe-Gag handle. Dabei geht es vermutlich darum, zu zeigen, wie sehr wir uns wirklich von unserem Smartphone okkupieren lassen. Das Problem: Jährlich gibt es aus diesen Gründen immer wieder Verletzte oder gar Tote. Inzwischen hat das Office of Compliance ein Warnblatt veröffentlicht. Darin geht es um die Sicherheitsrisiken im Straßenverkehr. Beispielsweise findet sich in selbigem auch der Ratschlag, niemals die Straße zu überqueren, wenn man ein elektronisches Gerät bedient. Die Tipps mögen naheliegend sein, sind aber in jedem Fall sinnvoll, wenn wir uns die Straßen ansehen. 2008 sollen in London Laternenpfähle mit Polsterung aufgestockt worden sein, um ernsthafte Verletzungen zu verhindern.

Daneben wurden inzwischen einige Apps für die Straßennutzung entwickelt. Wer sich nicht von seinem Handybildschirm trennen kann, kann eine App herunterladen, die den Bildschirm quasi transparent werden lässt. Wir sehen also auf dem Handy, was jenseits vom World Wide Web so vor sich geht. Das Programm legt das, was hinter dem Handy liegt wie einen Hintergrund hinter andere Programme. Zusätzlich haben die Japaner die App „Anshin“ entwickelt, die das Smartphone gänzlich blockiert, sobald es wackelt.

Über Sinnighaftigkeit lässt sich streiten

Ein wenig Selbstironie müssen wir uns wohl doch gönnen: Die Transparenz-App finden wir jedenfalls gar keine schlechte Alternative zu den Gehwegen. Ohnehin ist es fraglich, wie sinnig solche Spuren sind. Spinnen wir das mal durch: In 20 Jahren brauchen wir dann eigene Führer, weil wir mit 3D-Brillen auf dem Kopf durch die Straßen rennen, oder einen eigenen Guide, weil wir aufgrund unserer Handysucht inzwischen an einer irreparablen Genickstarre leiden. Und noch viel aktueller: Bekommen bald auch Menschen, die schneller durch die Stadt laufen als andere, eine eigene Spur? Damit wird die Rücksichtnahme auf andere nicht mehr nötig. Wenn jeder seinen eigenen Gehweg bekommt, muss nur noch darauf geachtet werden, dass es innerhalb der Sonderwege keine Kollisionen gibt. Eine Herausforderung bleibt dann allerdings noch der Spurwechsel, wenn wir eine Nachricht auf Facebook bekommen.

Wir sind jedenfalls der Meinung, dass solche Sonder-Gehwege eher zu Problemen führen. Einfacher wird es, wenn man sich einfach an den Rand des Weges stellt, um aufs Handy zu schauen. So kommt niemand zu Schaden. Oder wie seht ihr das?

Quellen:

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