Streit um Entsperrung von Attentäter-iPhone

Seit einiger Zeit tobt der Konflikt zwischen Apple und dem FBI. Nach der Katastrophe von San Bernardino fordert das US-Gericht die Entsperrung des Handys des toten Attentäters. Bill Gates rät Apple nachzugeben. Bislang ist der Konzern dem Beschluss nicht nachgekommen, zeigt nun aber Kompromissbereitschaft.

Terroranschlag in San Bernardino forderte 14 Tote

Das von Syed Farook und Tashfeen Malik geplante und durchgeführte Attentat in San Bernardino Ende letzten Jahres forderte nicht nur 21 Verletzte, sondern auch 14 Tote. Der Anschlag erfolgte auf einer Weihnachtsfeier des Inland Regional Center.

Nun fordert das FBI Apple dazu auf, das Handy eines der Attentäter zu entschlüsseln. Bislang hatte der Konzern sich geweigert und war nicht bereit, den Forderungen nachzukommen.

Apple befürchtet Missbrauch

Apple-Chef Tim Cook bleibt hart und hat vor einigen Tagen angedroht, juristisch gegen den Gerichtsbeschluss vorzugehen. Das Handy des nach dem Anschlag getöteten Syed Farook ist passwortgesichert – bisher konnte niemand die Sperre aufheben. Die Schwierigkeit: Wird bei einem iPhone mehr als zehnmal das falsche Passwort eingegeben, löscht das Handy automatisch alle Daten. Das möchte das FBI verhindern. Die Behörden erhoffen sich mit dem Zugriff Hinweise auf eventuell geplante andere Terrorakte und Verbündete der Täter.
Bislang gibt es kein Programm, das die Passwortsperre lösen kann. Apple befürchtet, dass ein solches Programm zu leicht missbraucht werden könne. Auf der Internetseite des Unternehmens schrieb Cook eine Stellungnahme, in der er betont, dass die Regierung von Apple einen Generalschlüssel für sämtliche Schlösser verlange. Dem möchte der Konzern nicht nachkommen. Käme das Programm in die falschen Hände, hätte Apple eine Hintertür geschaffen, durch die man auf alle Daten zugreifen könne.

FBI erhofft sich weitere Informationen

Die US-Regierung hat ihren Standpunkt nicht geändert. Der Chef des FBI, James Comey, hofft auf Informationen, die helfen können, weitere Terrorakte zu verhindern. „An diesem Morgen, bevor der Attentäter auf dem Zug stieg, um einen Massenmord zu begehen, hat er 109 Nachrichten ausgetauscht mit einem Terroristen im Ausland“, erklärt er. An diesen Datenaustausch möchte das FBI ran – umso mehr, da die Attentäter vor ihrem Tod noch versucht haben sollen, die Handys zu zerstören. Die Computerfestplatte des Paares ist bis heute nicht auffindbar. Das löst Unsicherheit aus und schafft Raum für Befürchtungen.

Apple bietet Kompromiss an

Nachdem der Konzern mehrfach betont hatte, dass es ihm mit seinen momentanen Mitteln unmöglich sei, das Passwort zu knacken, hat er der Justiz am gestrigen Montag einen Kompromiss angeboten. So versucht das Unternehmen die Regierung zu einer Zurücknahme der Klage zu bewegen.
Das Angebot: Sollte die US-Regierung die rechtlichen Schritte gegen Apple fallen lassen, beteiligt das Unternehmen sich an einem Gremium aus Experten, die auf solche Entschlüsselungsfälle spezialisiert sein sollen. Gleichzeitig schrieb Cook aber an seine Mitarbeiter, dass er nicht plane, die Sicherheitsstandards der Geräte zu lockern, da die „Datensicherheit hunderter Million gesetzestreuer Menschen“ auf dem Spiel stünde.

Bill Gates ergreift Partei

Die Technik-Branche hatte sich bisher klar auf die Seite des Konzerns gestellt. Heute statuiert Microsoft-Gründer Bill Gates ein Exempel, indem er Apple dazu rät, den Forderungen nachzugeben.
In seinen Augen bestünde in Zukunft dadurch keine Gefahr für die Privatsphäre, da es sich um einen konkreten Fall handle und die Regierung keinen allgemeinen Zugriff auf alle Geräte fordere. Da die US-Behörden betont haben, dass das geforderte Programm nur auf dem einen Handy laufen solle und danach gelöscht werden könne, gibt es in Gates‘ Augen kein Problem.

In den nächsten Tagen und Wochen wird sich zeigen, wie der Streit weitergeht. Wir hoffen jedenfalls auf eine Lösung, mit der alle leben können.

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