Sprachnachricht: Warum der Monolog immer beliebter wird

Junge Männer mit Handy

Mit zunehmender Beliebtheit der Sprachnachricht wurde der Monolog alltagstauglich. Tatsächlich nutzen vor allem Jugendliche und junge Erwachsene häufiger Sprachnachrichten, als dass sie telefonieren.

Monolog geht viral

Statt interaktiv miteinander zu kommunizieren, verwenden immer mehr Menschen Sprachnachrichten. Anwendungen wie WhatsApp können nicht nur genutzt werden, um Kurznachrichten an Freunde, Familienmitglieder und Bekannte zu verschicken, sondern auch für VoIP-Anrufe oder Sprachnachrichten. Statistiken zufolge verschickt jeder zweite Messenger-Nutzer auch Sprachnachrichten. 73 Prozent sind es sogar bei den 14- bis 29-Jährigen.

Um eine Sprachnachricht aufzunehmen, muss der Nutzer lediglich ein Mikrofon-Button im gewünschten Chat gedrückt halten und kann loslegen. Wie ein Diktiergerät nimmt das Smartphone die Nachricht auf und versendet sie nach Loslassen des Buttons an den Empfänger. Inzwischen kann der Aufnahmeknopf übrigens auch ‚verhakt‘ werden, so dass bei längeren Nachrichten der Finger nicht zu schmerzen beginnt. Das kann man sich vorstellen wie das Festsetzen des Hebels beim Tanken an der Zapfsäule.

Vor allem junge Leute

Besonders bei jüngeren Menschen ist die Sprachnachricht beliebt. Anstatt lange Texte zu tippen, wird bequem eine Taste gedrückt und drauflosgeredet. Anrufe hingegen sind weitaus seltener. Es scheint, als ob die jüngere Generation eine Abneigung gegen Telefonate entwickelt. Dafür gibt es unterschiedliche Ursachen. Man hat zum Beispiel keine Zeit für lange, ausschweifende Diskussionen am Telefon, möchte aber trotzdem seinen Standpunkt darlegen.

Und das ist es genau, was die Sprachnachricht ermöglicht: Erklärungen abzuliefern, ohne dabei möglicherweise unterbrochen zu werden. Und ohne sich direkt mit dem Gegenüber auseinanderzusetzen. Zudem sind Sprachnachrichten schneller aufgenommen, als der gleiche Informationsumfang getippt wäre. Zumindest dürfte das in den meisten Fällen so sein. Die Erfahrung zeigt: Die Telefonfunktion nutzen vor allem ältere Menschen. Werden Jugendliche angerufen, sind es oft die Eltern.

Der Zeitfaktor bei Sprachnachrichten

Unsere technisierte Welt, das Internet und die Nutzung von Smartphones haben den Alltag umso schnelllebiger gemacht. Geduld ist zur Seltenheit geworden. Wir müssen nicht mehr tagelang auf einen Brief warten. Oder in die Bibliothek und langwierig nach den Antworten suchen, die wir benötigen. Das Smartphone ist längst Alltagshelfer und Allrounder. Sprachnachrichten hingegen scheinen diesem Trend entgegenzuwirken. Im ersten Moment sieht es so aus, als würden wir mit Sprachnachrichten Zeit sparen – immerhin reden wir schneller als wir schreiben. Die Wahrheit ist: Sprachnachrichten kosten Zeit.

Schließlich dürfen wir nicht nur auf die Dauer achten, die für die Aufnahme gebraucht wird, sondern auch für das Abspielen. Gerade jüngere Leute dürften es kennen: Wir erhalten Sprachnachrichten, die etliche Minuten dauern. Und dann benötigen wir erst einmal ausreichend Ruhe, um sie abhören zu können. Demnach verlieren wir gleich doppelt Zeit. Es ist, als würden wir über Anrufbeantworter miteinander kommunizieren. Absurd? Stimmt, das ist es wohl. Dennoch bieten Sprachnachrichten einen entscheidenden Vorteil: Wir können sie immer dann abhören, wenn wir eine freie Minute haben und sind nicht gezwungen, direkt auf das Gesagte zu reagieren – zumindest in der Theorie.

Persönlicher Kontakt mit mehr Freiheit

Die Sprachnachricht erscheint als Mittelding zwischen unpersönlicher Textnachricht und Telefonat. Sprachnachrichten können wir, wenn sie sich blöd anhören, einfach löschen und neuaufnehmen, bis es passt. Trotzdem bleibt das Persönliche – ein Vorteil, den Anrufe gegenüber Textnachrichten haben – erhalten. Wir hören die Stimme und den Tonfall. Sprachnachrichten erscheinen als weniger kühl.

Gleichzeitig geben sie, wie bereits angeschnitten, den Kommunizierenden die Möglichkeit, erst über die Worte nachzudenken, bevor die beantwortet werden. Telefonate funktionieren in Echtzeit. Gesprochene Worte können allenfalls korrigiert, aber nicht gelöscht werden. Damit bieten Sprachnachrichten mehr Freiheit in der Kommunikation. So ertappen wir uns selbst dabei, wie wir uns beispielsweise denken: „Klaus hat Geburtstag. Aber der redet am Telefon immer so lang. Eine Textnachricht will ich aber auch nicht schreiben – zu unpersönlich.“ Also nehmen wir als Kompromiss eine Sprachnachricht auf.

In den nächsten Jahren dürfte sich dieser Trend noch weiter ausbauen. Die Sprachnachricht hat sich längst in den Alltag vieler Menschen eingefügt. Nehmt ihr auch lieber Sprachnachrichten auf, anstatt zu tippen oder zu telefonieren?

Quelle: https://www.billiger-telefonieren.de/handy/nachrichten/umfrage-so-beliebt-sind-sprachnachrichten_211990.html