Analoge versus Handyfotografie

Der Charme der Nostalgie versus hochaufgelöste Smartphonefotos

Auf meinen Smartphone finden sich 1551 Fotos. Und die haben sich in nicht einmal einem Jahr angesammelt. Denn mit dem Handy fotografiere ich ständig. Essen, Fotos mit Freunden, Sehenswürdigkeiten während Reisen, ab und an ein Foto beim Sport. Das Fotoalbum auf deinem Handy sieht wahrscheinlich ähnlich aus und du hast das gleiche Gefühl wie ich: Was all die Fotos zeigen, kann ich nur erahnen, ohne sie alle durchzuschauen. Bei analogen Fotos ist das mitunter ganz anders. 

Das analoge Fotografieren ist nahezu ausgestorben. Fast jeder hat ein Handy mit einer Kamera, meist gleich zwei. Die Kamera meines Smartphones begleitet auch mich ständig, trotzdem bin ich häufig mit einem analogen Fotoapparat unterwegs. Und das, obwohl digitales Fotografieren sehr viel bequemer ist.

Digitale Fotos lassen sich nachbearbeiten

Ein digital geschossenes Foto muss nicht perfekt sein, Unstimmigkeiten können wir einfach nachbessern. VSCO, Instabeauty, Snapseed oder Adobe Photoshop Lightroom: Appstore und Google Play bieten uns eine kaum überblickbare Fülle von Apps zur Bearbeitung unserer Fotos für Anfänger und Profis.

Handyfoto mit Snapseed bearbeiten
Mit Apps wie Snapseed lassen sich Handyfotos schnell und einfach bearbeiten.

Bei Instagram stehen diverse Filter und Tools zur Verfügung, und wir teilen die fertigen Bilder gleich mit Freunden und anderen Followern.

Wir sehen sofort, was wir fotografiert haben

Auf unserem Smartphone können wir nach jedem Betätigen des Auslösers das geschossene Foto anschauen. Wir sehen also direkt, was wir fotografiert haben, und können gegebenenfalls weitere, bessere Fotos machen, wenn wir nicht zufrieden sind. Dabei müssen wir nicht jedes Foto, das uns nicht gefällt, sofort löschen. Denn der Speicherplatz auf unserem Smartphone, der Spiegelreflexkamera oder Compact-Cam reicht für unzählige Fotos aus. Ein Motiv knipsen wir so oft, bis uns das Foto wirklich gefällt. Bis beim Selfie alle Freunde mit breitem Grinsen in die Kamera gucken oder bei der Sightseeing-Tour im Urlaub kein Tourist mehr das Motiv crasht.

Analoge versus Handyfotografie oder eine moderne DSRL
Digitale Spiegelreflexkameras sind weit verbreitet (#122640615 | © lovegtr35 – Fotolia.com)

Erlebnisse direkt mit unseren Freunden teilen

Das Internet macht es möglich: Wir können unsere Fotos, die wir mit dem Smartphone geschossen haben, direkt mit unseren Freunden und der Familie teilen. Fotos vom entspannten Tag im Park, der Geburtstagsfeier der besten Freundin, unser neuestes Lieblingsgericht, das uns heute besonders gut gelungen ist – all das zeigen wir unseren Liebsten. Per Mail, Messenger oder sozialen Netzen geht das in Sekundenschnelle. Die Fotos können wir, so oft wir wollen, vervielfältigen. Zu Hause oder über die Webseiten und Apps von Drogerien, Elektrofachmärkten und Fotostudios lassen sich die Bilder auch schnell und einfach auf Fotopapier drucken.

Fotos auf dem Smartphone geraten in Vergessenheit

Die Speicherkarten unserer Smartphones, Spiegelreflexkameras und Compact-Cams sind voll mit allerlei Fotos. Uns steht so viel Speicherplatz zur Verfügung, dass wir nicht mehr ständig aussortieren müssen. Das führt aber auch dazu, dass wir uns die Fotos oftmals nicht mehr ansehen. Sie verstauben zwar nicht mehr in einer Kiste auf dem Dachboden oder im Keller und können ebenfalls nicht ausbleichen oder vergilben. Im digitalen Speicher finden sie jedoch nicht mehr Beachtung als in der verstaubenden Kiste.

Analoge Fotos haben einen ganz besonderen Zauber

Hat man ein analoges Foto geknipst, dauert es noch eine ganze Weile, bis man das tatsächliche Ergebnis vor Augen hat. Erst einmal muss der ganze Film voll mit weiteren Fotos gefüllt und anschließend entwickelt werden. Dann hat man endlich die fertigen Fotos in der Hand und sieht, ob die einzelnen Aufnahmen tatsächlich so sind, wie man sie sich vorgestellt hat. Einige Fotos erfüllen die Erwartungen wahrscheinlich nicht, dafür sind andere meist viel besser als gedacht. So sorgt analoges Fotografieren für viel Spannung bis zum Öffnen der Tüte mit den fertigen Fotos. Und die Fotos versprühen mit ihrem Vintage-Charakter einen ganz besonderen Zauber.

Der Zauber analoger Fotografie
Charmant und zauberhaft: analoge Fotos

Fotografie mit Geduld und Zeit

Wer nicht gerade ein Experte der analogen Fotografie ist und ein kleines Labor zu Hause hat oder sich dort aufbauen kann, muss die Fotos zum Entwickeln in einem Fotostudio mit Labor, einem Elektronikfachmarkt oder einer Drogerie abgeben. Und das bedeutet: warten, bis sie fertig zur Abholung sind. Bei einem ortsansässigen Labor kann das wenige Stunden dauern, braucht bei einer Drogerie, die den Film ins Labor schickt, aber einige Tage Zeit. Man muss sich also etwas in Geduld üben, bis man die fertigen Fotos sehen kann.

Nicht nur das Entwickeln des vollgeknipsten Films braucht Zeit. Auch das Wechseln der Filme ist zeitaufwendig, es nervt. Möglicherweise ist ein Motiv schon nicht mehr verfügbar, wenn wir mit dem Wechsel des Films fertig sind. Den alten Film zurückspulen und einen neuen einlegen – das nimmt mehrere Minuten in Anspruch. Und hält manchmal die ganze Gruppe auf, wenn wir mit Freunden unterwegs sind.

Ein analoges Foto mit Charme
Analoge Fotos wie dieses geben sich kunstvoll, auch wenn das Bild gekörnt erscheint.

Beim analogen Fotografieren gilt es außerdem, immer wieder zu entscheiden, ob ein Motiv sich für ein Foto eignet. Denn die Anzahl der Fotos auf einem Film ist mit 24 oder 36 Bildern begrenzt. Würde man analog mit der gleichen Frequenz knipsen wie bei Schnappschüssen mit dem Handy, würde das Wechseln der Filme kein Ende nehmen.

Analoge Selfies sind nahezu unmöglich

Um uns selbst zu fotografieren, können wir bei analogen Fotoapparaten keine Selfie-Kamera nutzen. Die Kamera muss also falsch herum gehalten werden. Und dann kann man nur raten, ob man tatsächlich auf dem Foto ist oder ob bei einer größeren Gruppe alle Personen im Bild sind.

Kein Vergnügen für dein Portemonnaie

Fotos mit dem Handy sind günstig – in der Regel sogar kostenlos. Unser Smartphone besitzen wir zum Telefonieren, Chatten und Surfen ohnehin. Kosten entstehen bei Handyfotos nur, wenn wir sie drucken oder auf einem kostenpflichtigen Server speichern. Im Gegensatz dazu ist analoge Fotografie teuer. Schon bevor man auf den Auslöser drücken kann, fallen Kosten für Filme an. Ist der Film mit Erinnerungen gefüllt, kommt man nicht daran vorbei, für das Entwickeln noch einmal Geld auszugeben. Wollen wir ein Foto vervielfältigen, kostet das noch einmal.

Wenn Fotografie zum Glücksspiel wird

Bei analogen Fotos ist es relativ schwierig einzuschätzen, ob die Belichtung bei einem dunklen Umfeld ausreicht. Den ISO-Wert der Filme können wir erst ändern, wenn ein Film voll ist. Wie lange das dauert, hängt natürlich davon ab, wie viele Fotos wir schießen. Die Länge der Zeitspanne, in der wir mit einem Film fotografieren, ist daher sehr unterschiedlich. Den ISO-Wert des Films können wir also nicht einfach an die Helligkeit unseres Umfelds anpassen. Der Blitz kann in dunkler Umgebung Abhilfe schaffen, aber nicht immer kann man einschätzen, ob er die erwartete Wirkung hervorruft. Es heißt herumzuprobieren, Erfahrungen zu sammeln und auf ein wenig Glück zu hoffen.

Besondere Urlaubserinnerungen, die wir mit der Familie und Freunden teilen

Entwickelte Fotos sind eine Rarität geworden. Urlaubserinnerungen und besondere Fotos zeigen wir meist nur noch digital. Sei es in den sozialen Netzen oder auf dem Smartphone, Tablet oder TV-Bildschirm. Oder wir gestalten ein Fotobuch, in dem man nach dem Druck blättern kann. Manchmal komme aber auch ich nicht umher, meine analogen Fotos zu digitalisieren. Um sie Freunden weiter weg zu zeigen oder um sie bequem und einfach (digital) zu vervielfältigen.

Digitale Fotografie ist sehr viel praktischer

Dass ich einige meiner analogen Fotos digitalisiere, zeigt bereits, dass digitales Fotografieren sehr viel praktischer ist. Denn digitales Fotografieren hat viele Vorteile:

  • Digitale Fotos können wir ganz einfach nachbearbeiten
  • Es braucht keine Wartezeit, stattdessen können wir die Ergebnisse direkt angucken und wenn das Foto nicht gefällt, einfach ein neues machen
  • Wir können nahezu unendlich viele digitale Fotos machen…
  • …und sie direkt per Internet mit unseren Freunden teilen

Trotzdem möchte ich die analoge Fotografie nicht missen. Das vielleicht Allerbeste an der analogen Fotografie ist für mich, die Tüte mit den entwickelten Fotos zu öffnen – und dabei zu sehen, dass Bilder so schön geworden sind, wie ich es mir vorgestellt habe, längst vergessene Motive wiederzuentdecken und von der Qualität des ein oder anderen Schnappschusses überrascht zu werden.

Besitzt ihr überhaupt noch eine analoge Kamera? Fotografiert ihr damit noch? Oder sind die Vorteile digitaler Fotografie für euch unschlagbar?

2 Kommentare

  1. Habe mir erst letztes Jahr zwei alte Canon (t50 und t70) gekauft und bin seitdem viel auf Tour :). Macht einfach eine Menge Spaß analog zu knipsen! Muss aber auch dazu sagen, dass ich als 90er noch irgendwie halb analog, halbe digital aufgewachsen bin. Es gibt also noch viele Kindheitserinnerungen an die analoge Fotografie :).

  2. Hallo!“
    Besitze eine grosse Sammlung von Canon und Nikon Kameras und noch diverse andere.
    Außerdem eine DUKA(Dunkelkammer) mache meine Bilder also alle selbst vom Negativ bis zum Papier-Abzug. Die Arbeit mit meiner Analog-Kamera ist völlig anders als mit meiner DSLR die ich auch habe. Bei mir ist das mit der ganzen Verarbeitung auch der Reiz, also das arbeiten im Labor. Bin mit der Fotografie Ende der 1980er angefangen, habe den Übergang zur digitalen also miterlebt,aber die Art der Analogen Fotografie liegt mir einfach mehr. Meine DSLR nehme ich auch mit in den Urlaub für schnelle Schüsse.
    Grüsse
    Mike

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