Diskussion neu angefacht: Sind Handys krebserregend?

Ob und inwieweit sich Handystrahlung auf die menschliche Gesundheit auswirkt, ist seit Jahren viel diskutiert. Nun soll eine umfassende US-Regierungsstudie an Ratten belegen, dass es einen Zusammenhang zwischen der Strahlung und zwei Tumorarten geben soll. Aber ist dieses Ergebnis auch auf Menschen anwendbar?

Widersprüchliche Studien lösen Unsicherheit aus

Die Debatte um ein erhöhtes Krebsrisiko durch vermehrte Handystrahlung wurde durch eine, nach eigenen Angaben sorgfältig durchgeführte, US-amerikanische Studie erneut angefacht. Die US-Regierung hatte Forscher vom National Institute of Environmental Health Sciences damit beauftragt, die Auswirkung von Handystrahlung auf den lebenden Organismus genauer zu untersuchen.

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Ob besagte Frequenzen beim Menschen Krebs auslösen könnten, wird immer wieder debattiert und führte daher zu einer allumfassenden Untersuchung mit insgesamt 2500 Ratten und Mäusen. Bislang gab es in diesem Rahmen verschiedene Studien, die die Einwirkung der Strahlung auf den menschlichen Körper zum Thema hatten. Ihre Ergebnisse waren eindeutig: Handystrahlung ist weitestgehend ungefährlich. Die neuerliche Studie fördert hingegen Ergebnisse ans Licht, die dem widersprechen könnten.

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…wurden die Versuchstiere einer Strahlungsfrequenz ausgesetzt, die der von Handys sehr nahe kommt. Das bedeutet, sie wurden in 10-Minuten-Intervallen mit den Radiofrequenzen bestrahlt – zwei Jahre lang. Dabei kam heraus, dass offensichtlich ein Zusammenhang zwischen der Strahlung und zwei Tumorarten besteht. Anfällige Körperteile waren demnach das Gehirn und das Herz der Tiere.

Gleichzeitig zeigte sich ein erhöhtes Tumorrisiko bei männlichen Tieren. Zwei bis drei Prozent von hundert männlichen Nagern bildeten in diesem Zeitraum einen Hirntumor aus, während bei zwei bis sieben Prozent Tumoren am Herz die Folge waren. Weibliche Tiere waren im Schnitt weniger betroffen. Hier lagen die Werte lediglich bei ein bis zwei Prozent. Die Mediziner gehen davon aus, dass weibliche Nager grundsätzlich weniger anfällig für Krebserkrankungen sind. Was bedeuten diese Ergebnisse nun für uns?

Studien am Menschen tendenziell schwierig und ungenau

Bisher ist nicht klar, inwieweit sich dieses doch recht erschreckende Fazit auf den Menschen übertragen lässt. Die Fehlerquote ist bei Studien am menschlichen Subjekt sehr viel höher, da Mediziner weniger Kontrolle über den Verlauf haben, wie die Experten erklärten. Vorsichtige Ansätze gab es zwar insofern, dass Forscher Hirntumor-Patienten darum baten, die Frequenz ihrer Handynutzung zu rekapitulieren, allerdings waren die Ergebnisse hier kaum relevant. Die Daten lassen sich nur schwer ernst nehmen und vergleichen, da die wenigsten Menschen sich daran erinnern können, wann und wie oft sie in den letzten Jahren ihr Handy genutzt hatten. Hinzu kommt, dass andere äußere Faktoren ebenso in Betracht gezogen werden müssten.

Um ein greifbares Ergebnis zu erhalten, müsste man Menschen wie Nagetiere in einem geschlossenen Labor über einen längeren Zeitraum testen. Was an einen gruseligen Blockbuster erinnert und vielleicht sarkastischerweise von Tierschützern begrüßt werden würde, ist für Experten – zum Glück – keine Option.

Strahlenforscherin warnt vor Panikmache

Die Expertin Elisabeth Cardis des Centre for Research in Environmental Epidemiology (CREAL) aus Barcelona hatte bereits 2011 die Auswirkungen von Strahlung auf Tumoren untersucht. Dabei hatte sie einen leichten Zusammenhang zwischen zwei Krebsarten und übermäßiger Handynutzung festgestellt. Die Ergebnisse decken sich im Groben mit der Untersuchung des National Institute of Environmental Health Sciences. Seitdem Candis‘ Ergebnisse vorliegen, gelten Handys und Smartphones laut der WHO als „potentieller Krebserreger der Stufe 2B“, berichtet die Welt.

Um dem Ganzen vorerst allerdings die Schärfe zu nehmen: In den gleichen Bereich fallen bestimmte, eingelegte Gemüsesorten und Kaffee. Alles in allem waren die Fallzahlen sehr gering, zumal auch Candis‘ Forschungsergebnisse sich einzig auf Befragungen stützten. Die Strahlenforscherin selbst warnt vor unnötiger Panikmache – zumal erst im Mai in einer in der Fachzeitschrift „Cancer Epidemiology“ veröffentlichten Studie zum Thema Handynutzung und Krebsentstehung Entwarnung gegeben wurde.

Fazit: Wer weiterhin ohne schlechtes Gewissen Kaffee trinkt und Gemüse isst, braucht sich wohl vorerst auch keine Sorgen wegen seines Handys zu machen.

Quellen:

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